Forschungsprojekte
Die Sektion führt eigene Forschungs- und Reflexionsprojekte durch und unterstützt, vernetzt und begleitet Projekte mit Bezug zur anthroposophischen Heilpädagogik und inklusiven sozialen Entwicklung. Manche dieser Projekte werden in Verbindung mit einer Hochschule oder anderen wissenschaftlichen Einrichtung durchgeführt. Bei anderen handelt es sich um informelle Projekte mit einem forschend und reflektierenden Ansatz. Als Plattform für die Veröffentlichung und Verbreitung von formalen und informellen Forschungsprojekten dient unter anderem die Fachzeitschrift Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development.
Mehr zum Forschungsansatz der Sektion und zur Forschungskoordination auf der Seite des Research Council.
Kontaktperson der Sektion zu Forschungsfragen: Dr. Jan Göschel
Forschungsprojekte der Sektion
Die Sektion für Heilpädagogik und inklusive soziale Entwicklung führt eigene Forschungsprojekte durch und beteiligt sich als Partnerorganisation an kollaborativen Forschungsprojekten. Die folgenden Projekte laufen aktuell oder wurden vor kurzem abgeschlossen:
Prototypen eines nachhaltigen Entwicklungsweges – «Participatory Action Research» zur Pionierphase der Camphill-Initiative Ámbar Comunidad (2026-2029)
Die inklusive Gemeinschaftsinitiative Ámbar Comunidad in Villa de las Rosas (Traslasierra, Córdoba, Argentinien) entstand aus Fragen einer Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener mit Assistenzbedarf, die an der örtlichen Waldorfschule gelingende Inklusion erlebt hatten und nach dem Leben nach der Schulzeit fragten: Welche Rolle finden sie als Erwachsene, was können sie beitragen, und was brauchen sie für ein gelingendes Leben?
Ziel ist ein nachhaltiges Modell inklusiver Gemeinschaftsbildung, das die individuellen Biografien der Beteiligten mit dem Sozialraum Villa de las Rosas verbindet. Der Ansatz der Partizipatorischen Aktionsforschung verbindet Handeln und Forschen als gemeinsamen Lernprozess. Neben dem Aufbau von Ámbar Comunidad selbst soll das in einer dreijährigen Pionierphase gewonnene Wissen reflektiert, kommuniziert und anderen Initiativen im Feld zugänglich gemacht werden. Die Entwicklung kultureller, sozialer und organisatorischer Kapazitäten wird durch einen zyklischen, qualitativen Forschungsprozess begleitet, in dem Wissen durch gemeinsame Reflexion, Teilhabe und kollektives Handeln aller Mitglieder entsteht.
Die Umsetzung begann mit einer Team-Klausur im Juli 2026. Im August wurden Projektkonzept und Roadmap der Gemeinschaft vorgestellt und Fokusgruppen zu Themen wie Administration, Fundraising, Kommunikation, Bildung, Bau/Infrastruktur und Online-Shop gebildet. Diese Themenstränge stehen stets im Zusammenhang mit der zentralen Frage inklusiver, nachhaltiger Entwicklung, getragen von allen Beteiligten und bewegt in dialogischen Foren unter Einbezug künstlerischer und kontemplativer Prozesse sowie von Menschen aus dem weiteren Sozialraum. Die zeitliche Struktur orientiert sich am «Drei-Horizonte»- Modell von Bill Sharpe, Oliver Koenig u. a. (siehe Koenig et al. (2022) und H3Uni). Im ersten Projektjahr steht Horizont 1 im Zentrum: der Blick zurück auf Muster, Praktiken und Bedingungen, die Ámbar Comunidad bisher geprägt haben, und darauf, welche Elemente des gegenwärtigen Systems künftige Entwicklung fördern oder hemmen. In den folgenden Jahren verschiebt sich der Fokus zunächst auf Horizont 3 – die tieferen Ziele des Ámbar-Impulses – und schließlich auf die Gegenwart als dynamischen Raum konkreter Transformation im Jetzt (Horizont 2).
Das Projekt wird von der Sektion in Partnerschaft mit der Fundación Ámbar Comunidad durchgeführt, vor Ort koordiniert von Dennis Löffler und Adrián Villalva, wissenschaftlich begleitet von Dr. Jan Göschel (Sektionsleitung), Dr. Yolanda Sáez-Pagán (Puerto Rico), Elizabeth Sanders (Camphill Academy) und Prof. Dr. Ulrike Barth (Alanus Hochschule). Das Forschungsteam umfasst alle Mitglieder von Ámbar Comunidad. (Stand Oktober 2026)
«Gemeinschaft im Gespräch» - Praxisforschung zur Entwicklung inklusiver internationaler Erwachsenenbildungsformate (2023 - 2028)
Die internationale inklusive Tagungsreihe «Gemeinschaft im Gespräch» wurde 2023 durch die Sektion unter der Projektverantwortung von Sonja Zausch gemeinsam mit einer internationalen Partnerschaft von Organisationen im Praxisfeld der Sektion initiiert. Sie dient als Forschungs- und Übungsfeld für die Entwicklung inklusiver Prozesse, Methoden und Formate in der Gestaltung von Erwachsenenbildung im internationalen (bisher europäischen) Kontext. Jährlich wird dabei eine inklusive Bildungsreise als Wandertagung von einem Team von Menschen mit und ohne Assistenzbedarf inhaltlich und organisatorisch vorbereitet und durchgeführt. Gastgeber sind die beteiligten Partnerorganisationen, die auch diese Rolle durch inklusive Teams ergreifen. Während die internationalen Bildungsevents 2023 (Schweiz), 2024 (Deutschland) und 2025 (Schweden) Pilot-Charakter hatten, und informell durch das Team und die Teilnehmenden evaluiert wurden, wurde die Tagung 2026 in Litauen zum ersten Mal durch Ulrike Barth (Alanus Hochschule) wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Zwei weitere Events sind geplant, die zur Entwicklung eines methodischen Leitfadens und Toolkits führen sollen.
- Projektwebsite mit Berichten und Videos aus den vergangenen Wandertagungen
- Forschungsbericht «Gemeinschaft im Gespräch 2026» von Ulrike Barth (DE)
«Beiträge von erwachsenen Menschen mit Beeinträchtigungen für ihr soziales (Begleit-)Umfeld in anthroposophischen Institutionen in der Schweiz» (2022-2026)
Qualitative Interviewstudie, durchgeführt von Stefanie Schälin. Träger: Projektpartnerschaft Sektion für Heilpädagogik und inklusive soziale Entwicklung, anthrosocial und Hochschule Luzern, Department Soziale Arbeit.
Der Fokus dieses Forschungsprojektes ist es erstens, nach dem wesentlichen Beitrag von erwachsenen Menschen mit Beeinträchtigung für ihr soziales Umfeld zu fragen und diesen qualitativ sichtbar zu machen. Zudem stellt das Projekt zweitens die Frage, in welchem Zusammenhang dieser Prozess mit dem beruflichen Selbstverständnis und Menschenbild der anthroposophisch begründeten Heil- und Sozialpädagogik steht. Für die Beantwortung der Forschungsfragen werden qualitative Interviews in der Schweiz geführt. Ziel der Forschung ist es, den Beitrag von erwachsenen Menschen mit Beeinträchtigungen für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft aufzuzeigen sowie möglichen Impuls für gesellschaftlichen Wandel darzustellen, der sich daraus ergibt. Außerdem stellt die Studie eine Bestandsaufnahme des beruflichen Selbstverständnisses und der Praxisarbeit des professionellen Begleitumfeldes in anthroposophischen Zusammenhängen dar.
HPK 2024 – Neuausgabe des Heilpädagogischen Kurses Rudolf Steiners und Entwicklung eines Begleitbandes (2022-2026)
Dieses Projekt der Sektion umfasst die wissenschaftliche Begleitung der Neuausgabe des Heilpädagogischen Kurses durch das Rudolf Steiner Archiv (Herausgeberin Dr. Anne Weise) sowie die Entwicklung eines kommentierenden und texterschliessenden Begleitbandes mit Beiträgen von 18 Autor:innen zu den wesentlichen thematischen Aspekten des Kurses, der in der wissenschaftlichen Reihe «Edition Anthropos» veröffentlicht wurde.
Die Entwicklung des Begleitbandes wurde koordiniert durch Prof. Dr. Rüdiger Grimm (Alanus Hochschule), Dr. Jan Göschel (Sektion), Dr. Bente Edlund (Norwegen) und Prof. Dr. Bernd Kalwitz (Alanus Hochschule).
Beide Bände sind in der deutschen Originalfassung 2024 anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Heilpädagogischen Kurses erschienen. Die englischen Übersetzungen erscheinen Ende 2026. (Stand Oktober 2026)
Abschluss-Publikationen:
- Steiner, R. (GA 317, 2025). Heilpädagogischer Kurs. 10., korrigierte Aufl. Basel: Rudolf Steiner Verlag.
- Göschel, J. & Grimm, R. (Hrsg.). (2024). «...ein fortwährender lebendiger Zusammenhang»: Beiträge zu Rudolf Steiners Heilpädagogischem Kurs. Edition Anthropos, Bd. 9. Dornach/Bielefeld: Verlag am Goetheanum/ATHENA.
- Steiner, R. (2026). Supportive Education Course: Teaching children with developmental disabilities. Transl. C .v. Arnim. (Twelve lectures, June–July 1924, Dornach, GA 317). London: Rudolf Steiner Press.
- Goeschel, J. & Grimm, R. (Eds.). (2026). A Continuous, Living Connection. Contributions to Rudolf Steiner's Supportive Education Course. London: Temple Lodge.
Living Fields of Practice in Camphill Communities - Exploring Living Social Change Principles (2025-2026)
Im Rahmen der internationalen Jahrestagung der Camphill Movement Group 2025 wurde diese kleine qualitative Studie durchgeführt. Sie befasst sich mit drei Formulierungen Rudolf Steiners zu sozialen Prozessen, die in der Geschichte der Camphill-Bewegung eine entscheidende Rolle also Inspirationsquellen für inklusive Gemeinschaftsbildung gespielt haben. Die Delegierten der Camphill Movement Group und andere Mitglieder der weltweiten Camphill-Bewegung setzten sich mit ihrem Verständnis dieser sozialen Prinzipien auseinander und reflektierten, inwiefern sie in der Lebenswirklichkeit heutiger Camphill-Gemeinschaften sichtbar, wirksam und für gegenwärtige und zukünftige Prozesse der inklusiven Sozialgestaltung relevant sind.
Die Auswertung erfolgte in Form einer thematischen Analyse der Antworten und einer Diskussion der Ergebnisse vor dem Hintergrund der gelebten Erfahrung in Camphill-Gemeinschaften und der Publikation von Dan McKanan, Camphill and the Future: Spirituality and Disability in an Evolving Communal Movement (University of California Press, 2020).
- Abschluss-Publikation: Göschel, J. (2026). Lebendige Praxisfelder in Camphill-Gemeinschaften: Eine Erkundung lebendiger Prinzipien der sozialen Gestaltung | Living Fields of Practice in Camphill Communities: Exploring Living Social Change Principles. Anthroposophic Perspectives in Inclusive Social Development, 1-2026, 14-29.
Continuing Education for Trainers - Developing an International Peer-to-Peer Process (Peer2Peer-CET 2021-2023)
Von 2021 bis 2023 wurde innerhalb der Zusammenarbeit des Internationalen Ausbildungskreises der Sektion in Partnerschaft mit dem Anthropoi Bundesverband und einem Konsortium von 11 weiteren europäischen Bildungsträgern im Netzwerk der Sektion das ERASMUS+ Projekt Continuing Education for Trainers – Developing an International Peer-to-Peer Process (Peer2Peer-CET) durchgeführt. Ziel des Projekts war die Weiterentwicklung von Peer-to-Peer Fortbildungsformaten zu methodisch-didaktischen Fragen im internationalen Ausbildungsnetzwerk.
Eine Kurz-Dokumentation dieses Projektes mit den Abschluss-Publikationen ist auch auf der Projekt-Website des ERASMUS+-Programms der Europäischen Kommission zu finden.
Praxis und Wirkung familienorientierter Begleitung von Menschen mit Assistenzbedarf in anthroposophischen Lebensgemeinschaften (2021-2023)
Dieses Projekt wurde von einem Team der Jugendsektion am Goetheanum in Zusammenarbeit mit den Lebensgemeinschaften Altenschlirf, Sassen-Richthof und Münzinghof (Deutschland) durchgeführt. Die Ergebnisse wurden als Monografie in der wissenschaftlichen Reihe «Edition Anthropos» veröffentlicht.
- Projektskizze
- Abschluss-Publikation: Kronenberg, J., Viscrianu, I. & Roever, R.F. (2023). Zusammenleben wollen. Ein Porträt von drei sozialtherapeutischen Gemeinschaften. Lebenswirklichkeit, Entwicklungsfragen und Aspekte der Teilhabe. Edition Anthropos, Bd. 8. Dornach/Oberhausen: Verlag am Goetheanum/ATHENA.
Ausgewählte Projekte aus dem Forschungs-Netzwerk der Sektion
Die Sektion vernetzt Forschende und Projekte mit Bezug zu ihrem Forschungsauftrag und trägt zu ihrer Kommunikation und Verbreitung im Arbeitsfeld bei. Folgende Projekte werden aktuell von Forschenden durchgeführt (oder vor kurzem abgeschlossen), die im Forschungs-Netzwerk der Sektion aktiv sind. (Liste ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Hinweise auf weitere Projekte bitte an Jan Göschel.)
Camphill Research Network
Eine Plattform auf der Website der Camphill Academy für Forschungsprojekte und Veröffentlichungen in, mit und über die Camphill-Bewegung, einschliesslich des jährlich stattfindenden Camphill Research Symposium.
Anthropologie der Waldorfpädagogik und der anthroposophischen Heilpädagogik (2017-2026)
Ein mehrjähriges Projekt der Pädagogischen Forschungsstelle Stuttgart, unter Leitung von Jost Schieren (Alanus Hochschule) und mit Beteiligung von Rüdiger Grimm (ehemals Sekretär der Konferenz für Heilpädagogik und Sozialtherapie, der Vorgängerorganisation der Sektion für Heilpädagogik und inklusive soziale Entwicklung). Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen einer anthroposophischen Menschenkunde systematisch darzulegen, sie begrifflich und sprachlich nachvollziehbar zu entwickeln und in den Kontext einer gegenwärtigen erziehungswissenschaftlichen Diskussion zu verorten.
- Projektwebsite (einschliesslich Veröffentlichungen aus dem laufenden Projekt)
Inclutrain – Ein Ansatz für inklusive personenzentrierte Bildungswege für Menschen mit und ohne Hilfebedarf (2017-2026)
Das Projekt Inclutrain hat zum Ziel, inklusive Ansätze und Methoden für die berufliche Bildung zu entwickeln, und damit die Barrieren zu überwinden, die vielfach durch formale Zugangsvoraussetzungen zur beruflichen Bildungsprozessen entstehen. Dabei verfolgt es einen individualiserten Ansatz, bei dem berufliche Bildung nicht mit einem festen, vordefinierten Berufsbild beginnt, sondern mit der Entdeckung und Bildung der Fähigkeiten und Interessen des Individuums. Daraus können dann eventuell ganz neue Berufsbilder entstehen. Wie sich solche Bildungsprozesse gestalten und umsetzen lassen, ist Gegenstand der Inclutrain-Praxisforschung. Ziel ist es, daraus Handbücher und Materialien zu entwickeln, die öffentlich zur Verfügung gestellt werden können.
Das Projekt läuft derzeit in seinem dritten Zyklus (2023-2026). Es wird unterstützt durch das Erasmus+ Programm der EU, mit Teilnahme von Höfen der sozialen Landwirtschaft aus den Niederlanden, Deutschland, Norwegen, Österreich und Italien. Im dritten Zyklus wird an einer Erweiterung des Handbuches gearbeitet. Die Präsentation des Handbuchs wird unterstützt mit begleitenden Videos, die auf der Projekt-Website zur Verfügung gestellt werden. (Dokumentation auf Deutsch, Englisch, Niederländisch, Portugiesisch)
In guter Gesellschaft – Inklusion leben (vormals BaSiG)
Was macht eine gute Gesellschaft aus? Wie kann sie von allen Menschen mitgestaltet werden? Wie wollen wir miteinander leben? Und wie kommen wir über diese Fragen ins Gespräch? – Ein fünfjähriges Action-Research-Projekt des Anthropoi Bundesverbandes (Deutschland) mit 13 Beispielorten und wissenschaftlicher Begleitung durch die Alanus Hochschule.