«Das Licht wird nicht weniger …»

«Das Licht wird nicht weniger …»

18 Juni 2026

Bericht der Jahreskonferenz des russischen Verbandes für Heilpädagogik und Sozialtherapie vom 12.–15. Juni 2026 in St. Petersburg im Zentrum für Erziehungskunst (eine private Waldorfschule)


Die alle zwei Jahre stattfindende Jahreskonferenz hatte das Thema «Werte des Lebens – Werte des Alters» ausgewählt. Dazu sind etwa 50 Kolleg:innen aus ganz Russland zusammengetroffen.

So wie auch an anderen Orten der Welt, wo vor ca. 30 Jahren sozialtherapeutische Gemeinschaften gegründet wurden, kommen die Menschen in ein Alter, in dem sie in den Ruhestand gehen, und mit Alterserkrankungen, neuen Tagesstrukturen, angepassten Wohnformen und Sterben und Tod umgegangen werden muss.

Bei der Tagung entstand ein Bild, das wie folgt beschrieben werden kann:
Wir sprechen von dem Bereich der Heilpädagogik, wenn wir Kinder mit Assistenzbedarf meinen. Bei der Sozialtherapie meinen wir erwachsene Menschen mit Assistenzbedarf, in einer Altersspanne, die Arbeit und Leben von ungefähr 20 Jahren bis 40–60 Jahren umfasst, je nach Individuum.

Was verändert sich, wenn Menschen mit Assistenzbedarf in den Ruhestand gehen, nicht mehr im Werkstatt-Alltag oder anderen Arbeitszusammenhängen teilnehmen können? Was verändert sich für den Menschen, für die Organisation und welche Qualität wird in der Begleitung notwendig? 

Zu dieser Lebensspanne haben wir viele Fragen und aktuell wenige Konzepte, Erfahrungen und lebendige Bilder. Mit dem Auftakt bei der Konferenz und der geteilten Erkenntnis dieser Notwenigkeit wird sicher in den kommenden Jahren in Russland gearbeitet werden.

Es gab Beiträge von Tamara Isaeva zur Biografiearbeit, von Vera Simakova zur Entwicklung der Sozialtherapie im weiteren Sozialraum und damit verbundenen Lernprozessen der Menschen mit Assistenzbedarf sowie anderen Kolleg:innen. Sonja Zausch gab einen Beitrag zur Kultur des Alterns:
von «höher – schneller – weiter» zu «tiefer – langsamer – näher»

Zusätzlich wurden künstlerische Workshops, Arbeitsgruppen und zwei Masterclasses angeboten. In der Masterclass von Sonja Zausch wurde zu Weiterbildungsfragen für die Begleitung von älter werdenden Menschen mit Assistenzbedarf, mit Eurythmie, gemeinsam gearbeitet.

Manche Kolleg:innen waren zum ersten Mal bei einer Jahrestagung, haben die kollegiale Gemeinschaft geschätzt und erlebten die Zusammenarbeit als Mut machend.

Wir dürfen gespannt sein, wie sich das Thema weiter entwickeln kann. Und vielleicht konnten und können auch persönliche Fragen zur Berufung und dem eigenen Verständnis zum Alter reflektiert und fruchtbar in die weitere Auseinandersetzung einfließen.

Ein großer Dank an die Verantwortlichen Yulia und Zina – Gemeinschaft Turmalin/Moskau, Svetlana und Tamara – Weiterbildung ANTHROPOS, Irina und Olga aus St. Petersburg – Weiterbildung und Beratung sowie den letzten beiden auch als Übersetzer:innen.